Archive for September 2009

Desinformation und Saurer Regen

30. September 2009

Habe grad in ein Buch reingelesen. Es heißt „Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du gern Knoblauch essen“. Ich las ein interessantes, kleines Kapitel über Desinformation. Darin kam diese kleine Anekdote vor:

In Seattle stellten in den 50er Jahren mehr und mehr Menschen fest, dass ihre Windschutzscheibe am Auto kleine Kratzer hatte. Es hielten sich zwei hartnäckige Gerüchte über dieses Phänomen. Das eine besagte, dass russische Atomtests für nuklearen Fallout verantwortlichen wären, der in Verbindung mit dem feuchten Klima Seattles zu einer Scheiben zerstörenden Substanz verschmolz.

Die andere Theorie besagte, dass das Straßenbauprogramm des herrschenden Gouverneurs die Ursache sei. Die frisch asphaltierten Autobahnen in Verbindung mit dem feuchten Klima Seattles, so die Theorie, schleuderten Säurepartikel gegen die Windschutzscheiben.

Die Medien tätigten ebenfalls ihren Beitrag zum Anheizen der Gerüchteküche, woraufhin mehr und mehr Autofahrer ihre Scheiben intensiv untersuchten. Statt, wie vorher, lediglich aus dem Inneren des Wagens durch die Scheibe zu blicken, inspizierten sie nunmehr ihre Scheiben aus nächster Nähe von draußen. Durch den anderen Winkel erkannten sie Kratzer, die sie vorher nicht gesehen hatten.

Die Medien verschwiegen die triviale Erklärung für das Vorher aufgebauschte Phänomen. Der Autor nennt dies eine „Verewigung des Zustands der Desinformation“.

Word!

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Anleitung zum Umgang mit Nazis

29. September 2009

So kann man mit Nazis auch umgehen. Einfach ihre Bücher auswendig lernen, sich die gleiche Frisur schneiden lassen und dann rotzfrech zu ihnen sein. Aber ich muss ehrlich sagen, wenn mir plötzlich 20 Nazis in den Nacken atmen würden, während ich grad meinen neuesten Blog-Eintrag verfasse, wäre ich schon ein wenig beunruhigt. Respekt, Herr Somuncu.

Auscheckenswert ist auch Serdar Somuncus Internetsendung Hate Night. Ist allerdings nichts für schwache Nerven.

Astrofaschos

28. September 2009

Neulich wurde ich unverhofft Opfer eines Verbalangriffs zweier angeheiterter Esoterikliebhaberinnen. Und neulich wieder. Das Feld für diese Attacken auf mein Ego wird meist mit den unschuldig dahin gesäuselten Worten: „Welsche Stärnzeichen bist du?“ bereitet. Voller Hoffnung auf potentielle sexuelle Abenteuer antwortete ich beim ersten Mal wahrheitsgemäß und hauchte zwischen Bierfahne und Restrauch zärtlich: „Zwilling!“ Bei diesem ersten Mal – und erste Male sind ja bekanntlich oft traumatische Erlebnisse – lernte ich schmerzhaft, dass ich mich in diesem Fall durch die Wahrheit lediglich als Bodensatz der Gesellschaft, sozusagen als astrologischen Giftmüll, oute. Wie mir mit einem Augenrollen erklärt wurde, sind Zwillinge nämlich durch die Bank weg soziopathische Unmenschen, die sich auf nichts konzentrieren können, aber an allem interessiert sind – janusköpfig, schwer zu ertragen und etwas beängstigend. Ich war mir schon sicher endlich die endgültige Erklärung für meinen permanenten psychischen Ausnahmezustand gefunden zu haben und prostete erfreut meinem Tischnachbarn zu.

Allerdings fiel mir schnell auf, dass mein Gegenüber mindestens genauso dauerhaft verwirrt und nun ja…unangenehm ist, wie ich, aber in einem vollkommen anderen Monat geboren wurde, also kein bisschen Zwilling ist. Wie konnte das sein, fragte ich mich? Vielleicht war die Theorie doch löchriger, als ich im ersten Moment vermutete – war die Realität etwa doch wieder komplexer, als mir das Miss Cleo weismachen wollte?! Bei genauerem Nachdenken fielen mir dann gewisse ideologische Parallelen zu bereits (zumindest größtenteils) überwundenen Denkkonstrukten auf. Einer Gruppe Menschen werden, scheinbar zufällig, gewisse Eigenschaften zugeschrieben, man unterteilt sie von Geburt an in gut bzw. schlecht. Zeig mir deine Kopfform und ich sage dir, welches Sternzeichen du hast. Mein Versuch die Sache analytischer anzugehen wurde geschickt gekontert – es sei typisch für Zwillinge alles zu analysieren. Auf die nächste Attacke war ich dann allerdings besser vorbereitet.

Als mich erneut ein weibliches Trio von Astrofaschisten nach meinem Sternzeichen fragte, sagte ich gleich: Det schlimmste wo jibt! Sie identifizierten mich daraufhin schnell als Zwilling. Allerdings hatte ich nach akribischer Recherche diesmal ein paar Asse im Ärmel und ließ mir von allen Damen die Geburtsdaten geben. Ach, du bist also Widder vom Sternzeichen – dann befindest du dich in guter Gesellschaft solch illustrer Persönlichkeiten, wie Hitler oder Josef Fritzl. Schütze? Ganz klare Ähnlichkeiten mit Stalin… Aszendent Armin Meiwes. Fische? Klare charakterliche Parallelen zu Osama Bin Laden!

Na dann is ja alles klar!

Und welches Sternzeichen hast du?

Krieg der Bilder

27. September 2009

„Nicht so ganz einfach zur Zeit, ne?“ Ja, da hat mein Lieblingsminister es doch schön auf den Punkt gebracht. Eine treffende Analyse, sozusagen. „Neeee! Nicht so GANZ einfach, Sackgesicht! Harry haben sie die Eier weggesprengt, du Fettsack!“

Aber es ist ja gut, dass sich unsere Politiker mal die Kriege Friedenseinsätze, die sie befürworten angucken. Genau genommen, sollte man Jung direkt an der Front abwerfen, ihm ein Messer in die Hand drücken und ihn sich rambomäßig durch die Berge zurück nach Kabul kämpfen lassen.

Interessanterweise sieht man in dieser Dokumentation etwas, was man sonst nicht sieht, in der siebten Minute beispielsweise einen schwer verletzten deutschen Soldaten. Wer solche Bilder zum ersten Mal sieht, mag sich wundern, wie die Kriegsrealität wirklich aussieht. Leider erreicht die Öffentlichkeit nur die vom Militär gefilterte und zensierte Halbwahrheit der „eingebetteten“ Journalisten. Würde man die Realität dieses Krieges ungefiltert in deutsche Wohnzimmer projizieren, wäre die ablehnende Haltung gegenüber dem Afghanistaneinsatz deutlich größer, die Bevölkerung wesentlich aufgebrachter.

Aber die westliche Welt hat aus dem Vietnamkrieg gelernt. Es gilt, die 4. Gewalt zu kontrollieren. Inwieweit dies etwas mit Pressefreiheit und Demokratie zu tun hat, kann sich jeder selbst überlegen. Ist halt nicht ganz einfach zur Zeit!

Mein Homy Berlusconi

26. September 2009

So mögen wir unsere Staats- und Regierungschefs doch! Immer bereit das andere Geschlecht zu bespringen, einfach nehmen was man will. Truppen in den Krieg schicken, Ölkonzession absahnen, heimlich Popel fressen, Sexskandal, Ehebruch. Den Termin für die Benefizveranstaltung absagen, damit man es ja rechtzeitig zur nächsten Menschenfresserparty schafft. Ein paar Supermodels auf Staatskosten in die mafiafinanzierte Villa einladen. Gesetze brechen, Gesetze ändern, straffrei ausgehen.

Die Videos sind fake. Der echte Berlusconi ist viel schlimmer.

Luftangriff in Hamburg

25. September 2009

Der afghanische Präsident, Hamid Karzai, hat den zivilen Opfern des Luftschlages in Hamburg sein Beileid ausgesprochen. Die afghanische Luftwaffe hatte wiederholt Ziele in St. Pauli und Altona bombardiert, um die aufständischen deutschen Rebellen zu bekämpfen. Diese kämpfen seit der Invasion Deutschlands im Jahre 2002 gegen die Präsenz der afghanischen Friedenstruppen.

Das Bombardement einer Tankstelle durch afghanische Präzisionswaffen stieß auf breite Kritik in der deutschen Öffentlichkeit, als sich herausstellte, dass bei dem Angriff auch Zivilisten ums Leben gekommen waren. Der afghanische Verteidigungsminister hatte dies zuvor vehement bestritten.

Die Lage in Deutschland ist seit 2006 zunehmend gewalttätiger geworden, Aufständische bekämpfen die afghanischen Truppen mittlerweile sogar in der zuvor friedlichen Pfalz. Deutschland wurde in Folge der terroristischen Anschläge vom 11.September 2001 von Afghanistan eingenommen. Der Terroranschlag wurde zum Teil auf deutschem Boden geplant, einige Attentäter besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft.

Banksy

24. September 2009

banksy_cctv

Banksy, Street-Artist und Untergrundaktivist, mag auch keine Überwachungskameras. Man möge auf die schöne Kamera auf der rechten Seite des Bildes achten. Scheint wirklich nicht die beste Abschreckungsmethode zu sein, um IRGENDETWAS zu verhindern…

I like to think I have the guts to stand up anonymously in a western democracy and call for things no-one else believes in – like peace and justice and freedom.“ – Banksy

Tourimagnet 4. Reich

23. September 2009

GERMANY-ELECTION/

Welch schöner Anblick: die geballte Hirnsülze der NPD auf einem Fleck! Am besten finde ich das „Touristen willkommen! – Kriminelle Ausländer RAUS!“- Plakat. Da lacht doch das Touristenherz! Besonders wenn man nichts ahnend in die örtliche Dorfschenke hineinstolpert, vielleicht als Israeli, oder Schwarzafrikaner, und sich Dutzende polierter Glatzen umdrehen, um den Neuankömmling aus der Fremde mit einem herzlichen Schulterklopfen zu empfangen. Selbstverständlich erst, nachdem der im Pass eingetragene Wohnort freundlich aber bestimmt kontrolliert wurde – man muss schließlich wissen, ob man es mit einem arbeitsplätzeklauenden, knoblauchschwitzenden Parasiten oder mit einem touristischen Devisenspender zu tun hat.

Warum glaub ich nur, dass es für den Tourismus nicht sonderlich förderlich wäre, wenn die NPD die Macht ergriffe? Da gefallen mir diese Verbesserungsvorschläge doch viel besser:

Modifizierte NPD-Plakate

CCTV, Baby!

22. September 2009

Ich gebe es ja zu. Ich war schon kurz davor meinen Vorgarten mit Sicherheitskameras auszurüsten, alle Schlösser im Haus auszutauschen und ein paar Selbstschussanlagen zu installieren. Eventuell noch eine Bärenfalle hier oder da, Sprengfallen, eine humane Tretmine vielleicht. Nichts, was potentielle Eindringlinge gleich tötet, ich meine ich will ja niemanden umbringen, aber vielleicht ein Bein absprengen oder wenigstens ein paar Zehen…

Man kann sich ja inzwischen kaum mehr in seinen eigenen vier Wänden sicher fühlen. Die Gesellschaft ist durchaus gewalttätiger geworden und was sind wir Menschen, wenn nicht Spiegelbilder der Gesellschaft, in der wir leben? Darum bewege ich mich nah am Puls der Zeit – wer rastet, rostet bekanntlich. Ich passe mich lediglich aus Gründen des Selbstschutzes meiner Umgebung an. Und die Liste der Bedrohungen ist lang: Gewalttätige Jugendliche, Amokläufer, Taliban, blutrünstige Migrantenhorden, Gangsta-Rapper, Paintballspieler, Sozialbetrüger, Drogendealer, Junkies, Al Kaida, Schweinegrippeinfizierte, wilde Bären, Serienmörder und militante Nichtraucher.

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht vor Angst zitternd die Hände über dem Kopf zusammenschlage, mich in den Schlaf weine und mir einen Retter wünsche, der das personifizierte Böse bekämpft. Jemanden vom Schlag eines Batmans, Supermans, Wolfgang Schäubles. Einen Rettertyp, eben. Leider scheint das mit den Überwachungskameras laut Tagesschau nicht ganz so gut zu klappen, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber die Selbstschussanlage habe ich schon bestellt!

Urban Sports 2

21. September 2009

In Zeiten von globalem Finanzsupergau, Wirtschaftsarmageddon und staatlich finanzierten Rettungspaketen, muss man als Bürger sehen, wo man bleibt. Warum nicht einfach in Teamarbeit die örtliche Bank ausrauben und sich zurückholen, was Vater Staat großzügig gespendet hat?

Bei dieser Übung werden verschiedenste Muskelgruppen angeregt, die Kondition verbessert und man kann es nebenbei dem raffgierigen Banker mal so richtig heimzahlen. Der bei dieser urbanen Sportart zwangsläufig hohe Adrenalinpegel, führt zu einem gesunden Puls und regt die Durchblutung an. Doch Vorsicht! Diese Aktivität ist durchaus als Risikosport einzustufen. Es besteht die akute Gefahr durch Waffeneinwirkung schwer verletzt oder getötet zu werden.