Archive for November 2009

Teuer aber toll

25. November 2009

Ach du Scheiße, dachte ich mir nur. Da lese ich, dass der Afghanistan Einsatz jetzt doch teurer werden soll, als früher mal versprochen. Meine aufkommende Panik legte sich allerdings schnell wieder. So kostet der deutsche Teil der ISAF Mission gerade mal schlappe 785 Millionen Öcken.

Das mag dem Durchschnittsbürger zwar wie eine gehörige Summe vorkommen, doch wer kleine Brötchen backt, sollte lieber die Finger aus der internationalen Politiktorte lassen. Dem Pöbel mag es teuer vorkommen, ja ja, aber eben drum WIRD das Fußvolk regiert und REGIERT nicht. An dieser Passivkonstruktion wird deutlich, wer das sagen hat im Land – und offen gestanden ist das auch gut so.

Während der Hartz-4 Empfänger noch ausrechnet, wie viele Flachbildfernseher er sich für das Geld leisten könnte, denken größere Geister in größeren Dimensionen. Bodenschätze, Großaufträge, Transitrouten. DARUM geht es bei Kriegen nämlich letztendlich – um Investitionen. Nun gut, die Afghanen haben zwar kaum Öl in ihrem Land, aber irgendwelche Rohstoffe wird man der kargen Erde schon entreißen können. Und wenn nicht, kann man die Afghanen immer noch für die europäische Kosmetikindustrie durch den Fleischwolf drehen und als Fettquelle nutzen. Allerdings sollte man wahrscheinlich erstmal ein paar McDonalds Filialen eröffnen, um die drahtigen Wüstenbewohner auf amerikanisches Niveau zu mästen.

Es beruhigt mich, dass zu den Lesern meines Blogs ausschließlich die gehobene Schicht, die Bildungselite Deutschlands, die Speerspitze des Finanzkapitals und der Hochadel gehören. Es tut wirklich gut, offen seine Meinung schreiben zu können.

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Nachrichtensprecherin auf Abwegen

22. November 2009

Ohhh, ja! So schnell kann man seinen Job verlieren, wenn man live im Fernsehen ist. Für alle, die kein Englisch sprechen: Es geht um einen Psychopaten, der seine Frau ermordet und zerstückelt hat. Das ist natürlich weit davon entfernt, witzig zu sein. Die Nachrichtensprecherin scheint das jedoch etwas anders zu sehen…

Impressionen vom Bildungsstreik

18. November 2009

Es riecht nach Schweiß im besetzten Audimax. Die Okkupation begann gestern und wird auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Sehr zu meinem Unmut, wurde beschlossen auf Gewalt zu verzichten. Scheiß Demokratie.

Ich lasse meinen Blick im Vorzeigehörsaal der Universität schweifen und sauge die Einflüsse in mich auf. Schlecht rasierte Studenten versammeln sich in Ecken, tuscheln, diskutieren. Es liegt ein Hauch von Revolution in der Luft, wenigstens ein kleines Bisschen. Fleißig an Bionade-Flaschen nuckelnde Bachelor-Studenten arbeiten Forderungen aus, kritisieren, subsumieren, planen und verwerfen. Es werden Ankündigungen per Mikrofon gemacht, es wird weiter geplant, weiter abgestimmt.

Ich verlasse den Hörsaal und treffe einen marktradikalen FDP-Parteisoldaten. Er sei überzeugter Kapitalist und habe gelesen, dass das im Zuge des Bologna Prozesses eingeführte Studiensystem prinzipiell besser sei, als das andere, es mangele lediglich hier und da an der Umsetzung. Ich bin, gerade was Detailfragen angeht, chronisch schlecht informiert und versuche das Gesprächsthema in gewohnte Bahnen zu lenken. Wir schwelgen in unserer gemeinsamen Vision über eine Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinanderklafft, die Privilegierten in hermetisch abgeriegelten Enklaven ein Leben in Saus und Braus genießen und man „sozial schwache“ Bezirke nur noch mit Panzern und schusssicherer Weste betreten kann. Eine Gesellschaft in der die Asozialen unter sich bleiben und man als Besserverdiener ungestört mit seinem Zuchtpudel Gassi gehen kann, ohne ständig über Obdachlose stolpern zu müssen – endlich mal so ganz ohne schlechtes Gewissen.

Zurück ins Audimax. Ein Politiker einer ehemaligen Volkspartei betritt den Saal. Die Atmosphäre ist autoritätsgeschwängert. Der Volksvertreter spricht zur Masse – politische Interaktion Face to Face. Die Menge ist gespalten, zwischen kritisch Fragenden und unkritisch Applaudierenden. Es wird viel geredet, es werden lange Sätze gemacht, angefüllt mit eingeschobenen Nebensätzen, mit Fremdwörtern gespickt und mit Kommata garniert. Der Politiker praktiziert die Kunst mit vielen Worten wenig zu sagen – er ist ein Meister seines Faches. Nach zehn Minuten ist er wieder weg und ich bin so schlau als wie zuvor.

Ich fühle mich wenig ernst genommen von der Politik, meine Hoffnung in sie habe ich schon lange begraben. Protest ist gut, denke ich mir, notwendig vor allen Dingen. Was am Ende dabei herauskommen wird? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht sollte man den Punkt der Gewaltlosigkeit noch einmal überdenken… Ich werde einen dahingehenden Vorschlag im nächsten Plenum einbringen. Vielleicht ist Demokratie ja doch gar nicht so schlecht.

Killer Kidz

14. November 2009

tviolchuinew

Ständig kriege ich in den Nachrichten vorgekaut, auf welch kranke Ideen die Jugend von heute kommt, wenn es um das experimentelle Misshandeln ihrer Mitmenschen geht. Keine Körperöffnung und kein Spielplatz sind mehr sicher vor unserer wild gewordenen Jugend. Ausgebildet an Killerspielen, durch die Hormone im Fast Food schon mehr Tier als Mensch, lassen sie sich immer neue Foltermethoden einfallen, um andere zu quälen. Sie zelebrieren den Sadismus.

Ich kann kaum mehr den Fernseher anschalten, ohne die neuesten Horrormeldungen über mit Wodka abgefüllte Siebenjährige, Vergewaltigungen und ausgeraubte Rentner ins Hirn gehämmert zu kriegen. Die Schulhöfe unserer Republik gleichen afrikanischen Bürgerkriegsgebieten, schon jeder Grundschüler ist bis an die Zähne bewaffnet und der Nachwuchs tauscht Gewaltvideos per Handy, als wären es Panini Bilder.

Endlich zahlt es sich aus, dass ich selber jede menschliche Regung in meinem Körper, jede Emotion, jegliche Form der Empathie, durch Dauerfernsehbestrahlung von frühester Kindheit an, vernichtet habe. Es interessiert mich einfach nicht mehr – höchstens noch auf einer theoretischen Ebene. Ich analysiere und dokumentiere mit klinischer Präzision und wissenschaftlicher Gelassenheit jeden Gewaltexzess von Flensburg bis Niederbayern und empfinde dabei absolut nichts, außer dem wohligen Gefühl des Voyeurs, der im Schutze seiner Wohnung auf das Elend der anderen blickt. Ab und zu schüttele ich meinen Kopf über die JUGENDVONHEUTE und manchmal schreie ich auch, dass ALLELEUTESPINNEN.

Dann lehne ich mich meistens in meinem Stuhl zurück, denke darüber nach, wie schlecht die anderen sind, was für ein guter Mensch ich doch bin und das die manchmal zynisch anmutende Berichterstattung der Medien, die von individuellem Leid angetrieben werden, wie Serienkiller von der Lust zu morden, doch gar nicht so schlimm ist. Am Ende des Tages führt sie mir doch vor Augen, dass es die anderen sind, die krank sind. Nicht ich. Ich gucke nur zu.

Kinder, Küche, Kirche

10. November 2009

gletscherprise

 

Frauen haben es nirgendwo auf der Welt wirklich leicht. Männer auch nicht. Das Leben stinkt. Das wussten wir schon vorher. Frauen haben es noch ein wenig schwerer. Das ist auch trivial.

Frauen pressen den Menschennachwuchs aus ihren Körpern, Männer machen Kriege. Männer fahren Auto wie besenkte Säue, Frauen gelten als schlechte Autofahrer. Männer haben Affären, Frauen bleiben zuhause und stillen die Brut. Frauen verdienen schlechter als Männer, obwohl sie den gleichen Job besser machen.

Nun gibt es den einen oder anderen Menschen in dieser westlichen Welt, der ob der Unterdrückung der Frau in der, sagen wir einmal, islamischen Welt empört ist, und vehement die Freiheit seiner Menschenschwestern fordert. Dies ist ein nobles Anliegen – der Kampf für jede Freiheit ist einer, der es lohnt gekämpft zu werden. (Pathos!) Das dies meist am Stammtisch, in dubiosen, braun angehauchten Blogs, wie PI-News, oder mit dem Baseballschläger in der Hand an ostdeutschen Provinzbahnhöfen geschieht, ist schade, da es sein Ziel verfehlt. Der Hass ist nämlich der mies gelaunte, kleine Bruder der Angst und schneller als einem lieb ist, versinkt man in einer Spirale der Gewalt, in einem sich ständig selbst reproduzierenden Teufelskreis der Ignoranz.

Darüber hinaus sollte man sich fragen, welche Vorurteile man selbst hat, welche Stereotypen die eigene, vermeintlich zivilisatorisch überlegene Gesellschaft produziert und von frühester Kindheit an in unsere Synapsen brennt. Was bedeutet es für jemanden in Oberbayern, wenn Frauen in Tehran gesetzlich gezwungen werden ein Kopftuch zu tragen? Relativ wenig, muss die Antwort lauten, da ein Bayer keinen Einfluss auf die iranische Gesellschaft hat. Daher sollte er die iranischen Probleme den Iranern überlassen und versuchen in der eigenen Umgebung etwas zu verbessern. Zu tun gäbe es genug.

Sind bei uns nicht auch Vorurteile am Wirken, gibt es denn keine Unterdrückung? Wie viele Männer im Abendland sehen Frauen als Tittenmonster und Fickmaschinen? Welches Frauenbild suggeriert uns die Werbeindustrie? Ist ein Gang-Bukkake Ausdruck der weiblichen Selbstbestimmtheit? Kurz gesagt: Sind wir als Gesellschaft besser, freier, moralisch überlegen? Oder unterdrücken wir nur anders, subtiler, technisch ausgereifter? Die Antwort bleibt jedem selbst überlassen. Es lohnt sich aber darüber nachzudenken.

Siehe: Spiegel Online – Experten prangern sexistische Werbung an

Taliban an die Macht!

9. November 2009

Das Problem, wenn demokratische Länder Krieg führen wollen, ist immer das gleiche – die eigene Bevölkerung. Wenn repressive Mittel nicht mehr oder nur noch eingeschränkt als Waffe gegen den Pöbel eingesetzt werden können, kann es passieren, dass das Fußvolk sich in einem unpopulären Konflikt gegen die Regierenden auflehnt. Das beste Beispiel hierfür ist der Vietnam Krieg, der nicht zuletzt aufgrund des starken Protestes an der amerikanischen Heimatfront beendet wurde.

Man lernte aus den Fehlern und ließ fortan Reporter nur noch mit Augenbinden und Ohrstöpseln an die relevanten Kriegsschauplätze, bzw. zensiert jeden Bericht zu journalistischem Matsch, der die Position der Krieg führenden Eliten reflektiert. Wenn der Durchschnittsbürger nämlich die Früchte des Krieges, abgetrennte Gliedmaßen, Kinderleichen und verkohlte Frauen, nicht mehr sieht, dann wird er sich auch nicht mehr so über sie aufregen – so die Logik des Militärs. Die Leute haben ja auch weiß Gott anderes zu tun, als sich über Tote in der Dritten und Vierten Welt aufzuregen. Man arbeitet schließlich und zahlt Steuern.

Allerdings funktioniert diese mediale Unterdrückung nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn die eigenen Soldaten nämlich reihenweise verrecken, kann man dies nur schwer verheimlichen. So kann es unter Umständen doch zu einem verstärkten Druck auf die Regierung kommen.

Dieses Phänomen ist momentan in Großbritannien zu beobachten, wo die Brown Regierung zusehends größere Probleme mit der öffentlichen Reaktion auf den Afghanistan-Befreiungsdemokratisierungsmenschenrechtsfriedenseinsatzfeldzug hat. Daher fordern die Briten (bzw. das Braun-Regime) in einem Memo von der afghanischen Regierung eine Beteiligung der Taliban an der politischen Macht.

Keine schlechte Idee, wenn man es sich recht überlegt. Man reitet mit einer hoch technisierten Militärmaschinerie in einem Land ein, um die Missetäter, die sich gerade an der Macht befinden zu beseitigen, bringt dabei tonnenweise Leute um, bewegt Kriegsgerät in Milliardengröße, installiert andere Missetäter in den Führungspositionen, belebt nebenbei den Drogenhandel neu, merkt dann, dass man den Krieg nicht gewinnen kann und sorgt dann dafür, dass die alten Schurken wieder an die Macht kommen. Und das Beste daran ist, dass man, wenn der Bedarf besteht, das ganze Spiel wiederholen kann.

Siehe Financial Times Deutschland.

Taliban Inkognito

5. November 2009

Um noch einmal auf die Situation in Afghanistan zu sprechen zu kommen: Am Dienstag ist wieder ein kleines Malheur auf der mit Scheiße geschmierten Straße passiert, die zu einer rosigen Zukunft für alle Afghanen führt.

Ein Afghane, der zum Polizisten ausgebildet wurde, entschied sich mit seinen Kollegen aus dem fernen Brittannien kurzen Prozess zu machen, während die gerade ihre schusssicheren Westen abgelegt hatten und etwas in der Sonne dösten. Also zückte er sein Maschinengewehr und schoss los, wobei fünf britische Besatzungssoldaten / Befreier starben und fünf weitere schwer verletzt wurden. Dann flüchtete er auf seinem Motorrad.

Dies wirft die Frage auf, ob dieser afghanische Draufgänger sich einfach nur alle Sicherungen mit dem reichhaltigen Drogenangebot des Landes aus dem Kopf geballert hatte, gewissermaßen ein amoklaufähnlicher Einzelfall, wie wir ihn in diesen Breitengraden ja auch langsam zur genüge kennen. Andererseits könnte es natürlich auch ein Hinweis darauf sein, dass die Taliban die afghanische Polizei infiltrieren und wir in nächster Zeit mit vermehrtem „Friendly Fire“ rechnen müssen.

Dafür spricht, dass es nicht der erste Vorfall dieser Art war. Eine ähnliche Attacke auf Vorgesetzte, wurde zuvor medial heruntergespielt. Wenn allerdings 5 Soldaten gleichzeitig in Fetzen geschossen werden, ist es schon etwas schwerer zu ignorieren. Es werden Fragen gestellt. Zumindest scheint sicher, dass bei vermehrter Polizeiausbildung in Afghanistan auch mehr Taliban unentdeckt in die Reihen der Ordnungshüter gelangen können. Klingt, als stünden uns noch einige Überraschungen bevor.

Wählen bis die Balken brechen

1. November 2009

In Afghanistan geht in Punkto Demokratie mal wieder alles drunter und drüber. Hamid Karzais größter Konkurrent, Abdullah Abdullah, hat sich wohl entschieden doch nicht an der kommenden Stichwahl zwischen sich selbst und Marionetten-Mann Karzai zu beteiligen. Man erinnere sich, dass die Wahl aufgrund massiven Betrugs wiederholt werden musste. Eifrige Anhänger Karzais hatten wohl die eine oder andere Wahlurne ausgetauscht, bzw. massenhaft Stimmzettel selbst gedruckt. So macht abstimmen doch Spaß!

Da die Wahlbeteiligung im ersten Durchgang eh verschwinden klein war, die Taliban Wählern noch immer munter die Finger abschneiden und jetzt der Winter in Afghanistan angebrochen ist, haben jetzt noch weniger Leute Lust zu wählen. Durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass Karzais Bruder mit größter Wahrscheinlichkeit in den Drogenhandel verwickelt ist und außerdem auf der Gehaltsliste der CIA steht, wie der Spiegel kürzlich berichtete.

Inwieweit die CIA selbst ins Drogengeschäft am Hindukusch verstrickt ist, wird sich sicher bald herausstellen. Dann nämlich, wenn der lupenreine Demokrat Hamid Karzai rechtmäßig wiedergewählt wird und eine transparent Musterdemokratie aus dem Boden stampft, in der es keine Korruption und Vetternwirtschaft mehr gibt.

Dann buche ich auch meine erste Reise ins Urlaubsparadies Kabul. Ich freu mich schon.