Gib‘ mir einfach meinen Kaffee, du Penner!

Letztens wollte ich einen Kaffee bei Starbucks trinken. Ich wurde durch subtil positionierte Schilder darüber informiert, dass jeder Cappuccino, den ich mit hinter die Binde kippe hilft, krebskranke Kinder in Guatemala zu retten, den Regenwald aufzuforsten und die Ozonschicht wiederherzustellen.

Na gut, ich war nicht bei Starbucks (aus Hass!), es geht mir hier nur darum ein Prinzip zu verdeutlichen. Wenn ich bei McDonalds einen FettBurger essen gehe, stehen die Spendenbüchsen bereit – Kindern in Not soll geholfen werden, wenn ich einen Kasten Bier kaufe, versichert mir Günther Jauchs ewig grinsende Hackfresse, dass ein Quadratmeter Regenwald gerettet wird, der Bagger fährt dann wahrscheinlich kurz mal eine Schleife, oder so… Bill Gates, der größte Kapitalist überhaupt (möglicherweise gar der Antichrist persönlich), rettet die Welt mit der Bill und Melinda Gates Foundation und kauft sich so quasi von der Schuld die er auf den Schultern trägt (Microsoft, Monopol, Windows Vista, etc.) frei.

Darum geht es letztendlich auch bei Starbucks, wenn ich meinen imaginären Kaffee bestelle. Ich kaufe nicht nur einen Kaffe, sondern auch einen Rattenschwanz an Ideologie, an unternehmerischer Pseudo-Kultur. Ich kaufe nicht nur Kaffee, sondern ein Stück Lebensgefühl, zelebriere ein gewisses Gemeinschaftsgefühl und helfe sogar Kindern in Guatemala, rette den Regenwald, etc. So soll die „Sünde des Konsums“ externalisiert werden.

Das bizarre daran ist, das ich durch den Akt des Konsums (ich kaufe einen Kaffee), das Gefühl vermittelt bekommen soll, dass ich Teil einer Bewegung bin, die gegen die Missstände in der Welt kämpft, die durch GENAU DIESEN KONSUM verursacht werden.

Somit bin ich plötzlich kein heuschreckenähnlicher Nimmersatt mehr, der ohne Rücksicht auf Verluste alles in sich hineinstopft, worauf die Werbung ihn programmiert hat – Nein! Ich fresse bewusst und rette die Welt.

Das ist der Ablassbrief des 21. Jahrhunderts. Schöne neue Welt.

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