Freaky Friseurbesuch (2)

Der Araber überlebte. Es stellte sich heraus, dass er sogar ein Stammkunde war. Der Großteil der Redebeiträge entfiel auf den Friseur und es schien ein subtiles Einverständnis über die Beackerung gewisser Themenfelder zu bestehen. Eine Prise Antisemitismus hier, subtil in den Hauptsatz eingewoben und im Nebensatz gleich wieder revidiert, ein wenig Lästern über die inkompetenten Führer der arabischen Länder, über die Saudis, die auf fromm tun, aber es im Sexurlaub im Ausland richtig krachen lassen.

Ok, ich würde das Experiment mit großer Wahrscheinlichkeit überleben. Von Minute zu Minute wuchs allerdings meine Verwirrung über die politischen Einstellungen des Ladeninhabers. Einerseits schien es ziemlich klar zu sein. Meine Notizen zeigten, dass bereits innerhalb der ersten Minuten folgende Worte gefallen waren: Thor Steinar, Türke, Neger, Judenstaat. Die ersten drei sind ja eventuell noch kontextabhängig. Bis auf den offensichtlich rassistischen Wortgehalt von “Neger”, sagte er nichts abwertendes über dunkelhäutige Menschen. Ich führte es also auf seine offensichtlich ausbaufähige Bildung zurück. Aber bei “Judenstaat” ist klar, aus welcher Ecke der Sprecher kommt. Das kann man nun wirklich nicht sagen, außer vielleicht in dem Satz: Judenstaat sagt man nicht, klein Adolf. Das folgende Gespräch zwischen uns liest sich dann auch wie eine Anleitung für’s Leben. Ich führe die gewonnenen Erkenntnisse hier in Stichpunkten auf. Hier also die Lebenstipps des Nazi-Friseurs aus dem Vorhof der Hölle:

  • Zwingt das Arbeitsamt dich, bei Betrieben vorstellig zu werden in denen du nicht arbeiten willst, so trinke zwei Schnaps vor dem Vorstellungsgespräch. Man wird dich als vermeintlichen Alkoholiker nicht einstellen
  • Wenn du mit Beamten auf dem Arbeitsamt in Konflikt gerätst, gib vor mehrere Semester Jura studiert zu haben
  • Kommentiere Lücken im Lebenslauf mit den Worten: “Da war ich im Knast, will ich nicht drüber reden.”
  • Gib auf dem Amt vor homosexuell oder ein Moslem zu sein und poche auf Diskriminierung (denn “in diesem Judenstaat muss man Moslem oder Jude sein, um irgendwas vom Staat zu bekommen)
  • Wenn du in den Knast kommst, schlage den Stärksten zuerst, um dir Respekt zu verschaffen (Ok, das ist trivial)
  • Wenn Beamte (auf dem Arbeitsamt) dir mit der Polizei drohen, weise sie darauf hin, dass sie bei dem Anruf deinen vollen Namen angeben sollen, damit die Polizei weiß, dass sie mit entsprechender Mannschaftsstärke anrücken soll
  • Bedrohe Beamte mit Kindern durch subtile Anspielungen (nicht das Ihr Kind mal mit nem Zettel nach Hause kommt, auf dem steht Mama soll nicht so’ne Scheiße bauen)

Das Gespräch fand in entsprechender Lautstärke im Mittelpunkt des Ladens statt, während ca. 5 andere Personen mehr oder weniger gespannt zuhörten. In Thüringen ist das normal.

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